Selbstheilungsarbeit

KÖRPERORIENTIERTE VISUALISIERUNGEN KÖNNEN BEI DER AUFARBEITUNG VON TRAUMATA HELFEN. SIE UNTERSTÜTZEN, EIGENE RESSOURCEN ZU ENTDECKEN, UND ANZUERKENNEN, WAS IST UND WAS WAR. DURCH DIE ERFAHRUNG, WIE DER EIGENE KÖRPER WISSEN BEWAHRT, WACHSEN LIEBEVOLLE HINWENDUNG UND WERTSCHÄTZUNG FÜR DEN EIGENEN KÖRPER ALS ZEICHEN FÜR SELBSTANNAHME UND -LIEBE.

Visualisierungen stehen in der Tradition der Heilweise der Alten Weisen, in der das Ganz-Sein, das Heil-Sein in jede/r genährt wird, statt instand zu setzten, zu kurieren und auszugleichen. Jeanne Achterberg schreibt in ihrem Buch „Die Frau als Heilerin“, dass bereits vor 40.000 Jahren heilkundige Frauen durch „Innere Bilder“/schamanische Reisen heilten. Die Arbeit mit inneren Bildern ist eine Arbeit mit dem Unsichtbaren und berührt das zutiefst Weibliche. Visualisierungen laden dazu ein, sich der eigenen Intuition zu zuwenden, SICH IM KÖRPER ZU SPÜREN und Vertrauen in die eigenen Selbstheilungskräfte wachsen zu lassen.

In der Krebstherapie haben neben anderen Lawrence LeShan, Dr. Carl Simonton und Jeanne Achterberg nachgewiesen, wie mächtig die Auswirkungen von Lebenseinstellungen, von Gedanken und Gefühlen der Menschen auf Körper und Krankheit sind. Innere Bilder beeinflussen Nervenimpulse und chemische Botenstoffe, wie z. B. die körpereigenen opiatähnlich wirkenden Endorphine (Glückshormone), die messbar freigesetzt werden können. Die noch junge Wissenschaft „Psycho-Neuro-Immunologie“ beweist mit ihren Forschungen die direkten Zusammenhänge zwischen psychischen Befindlichkeiten, dem Immunsystem und dem Hormonsystem. Aus diesen Ergebnissen und wissenschaftlichen Erkenntnissen hat sich ein anderes Verständnis für den Körper als wichtige Grundlage der Selbstheilungsarbeit entwickelt.

Oft finden wir bei Traumatisierung körperliche Symptome – die Klientinnen kommen in unsere Praxen und suchen naturheilkundliche Hilfe für die Erinnerungspur, die das Trauma im Körper hinterlassen hat. Abgespaltene Gefühle wie Wut, Verzweiflung, Verlassenheitsgefühle, Hilflosigkeit und Trauer haben im Körper einen Platz gefunden, zu denen ein bewusster Zugang nicht so einfach möglich ist. Durch körperorientierte Visualisierungen können diese Gefühle, die sich oftmals in Erkrankungen manifestieren, wieder bewusst gemacht werden. In der Tradition der Alten Weisen sagt die/der KlientIn: „Ich brauche Hilfe, damit ich mich in meine Tiefen sinken lassen kann.“ (Susan Weed, HeilWeise). In der Tiefe finden sich neben Heilungspotentialen jedoch auch Erinnerungsbilder an eventuell erfahrene traumatische Situationen. Gewalterfahrungen in der Kindheit nehmen die Fähigkeit der freien Selbst-Wahrnehmung, in dem es verbotene Bereiche im Körper, in der Seele und im Geist gibt.
In der Erkrankung bewahrt der Körper die Wahrnehmung = Wahrheit und auch die Trauer über das Geschehene. Körpersymptome, die in der Arbeit mit inneren Bildern direkt befragt werden können, erzählen, dass der Körper selbst über seine Verlassenheit trauert, wenn wir als Besitzerinnen des Körpers ihn nicht genügend beachten, ihm keine oder wenig Aufmerksamkeit schenken, ihn hassen. Wenn dieses Wissen und die damit verbundenen Gefühle einer bewussten Verarbeitung zugänglich werden, kann ein heilsamer Trauerprozess beginnen. Über die Verluste zu trauern heißt, dass das was passiert ist, in der Seele ankommt und das wir uns damit annehmen, lernen uns dennoch komplett zu fühlen, lernen mit dem Verlorenen zu leben.

Körperorientierte Visualisierungen nach der Methode Wildwuchs ermöglichen eine tiefe Versöhnung mit dem eigenen Körper, mit einer eventuell bestehenden Erkrankung und verbinden mit den eigenen Ressourcen zur Heilung.

Die Methode Wildwuchs ist ein 3-Schritte-Programm zur Unterstützung der Selbstheilungskräfte:
Schritt: Der sichere Ort
Schritt: Der Körper kommt zu Wort
Schritt: Reise zum Lösungs- oder Heilungsschritt
Frauen, die die Methode Wildwuchs gewählt haben, finden nach Anleitung zunächst einen „sicheren Ort“. An den Bildern vom sicheren Ort zeigt sich wie stabil sich eine Frau zu diesem Zeitpunkt in ihrem Leben fühlt. Ohne einen “sicheren Ort“ ist eine Reise ins Körperinnere zur Erkundung von Erkrankungen nicht angeraten. Wenn kein sicherer Ort gefunden werden kann oder der sichere Ort sich nur vermeintlich als sicher zeigt, muss der sichere Ort geschaffen werden, d. h. es werden gezielt Qualitäten in dem inneren Bild gesucht oder auch zusätzlich „eingebaut“, bis der Ort tatsächlich sicher ist. Diese Arbeit kann ergänzt werden durch „erdende“ Körperarbeit, begleitende Gespräche und z. B. Bach-Blüten-Therapie.

Auf der Reise ins Körperinnere findet eine Annäherung an die Beschwerde/das Körpersymptom statt. Eine Eigendiagnose wird gestellt. Nach dieser Kontaktaufnahme unterstützt die nachfolgende analytische Visualisierung den Dialog mit der Beschwerde bzw. dem Problem. Der Körper selbst „erzählt“, welche Geschichte in dem Symptom steckt, welche Verhaltensmuster und Lebenseinstellungen der Beschwerde (mit) zugrunde liegen. Der Körper berichtet von Wünschen, Gelüsten und Hoffnungen, aber auch von Verlassenheitsgefühle und erfahrener Vernachlässigung bzw. Mißachtung. In diesem Dialog können Antworten gefunden werden, die einen neuen Zugang und eine neue Ver-Antwortlichkeit für den eigenen Körper ermöglichen.

Der letzte Schritt führt zur Kontaktaufnahme mit der Inneren Beraterin. Eine spezielle Visualisierung ermöglicht diesen Zugang zum Intuitiven Körperwissen. Dieses Wissen fließt in die Bilder und diese erzählen von Wärme, von Licht, von Farben, von Vertrauen zum Öffnen, vom Reinigen, vom Wohlgefühl als Frau, von zarten Empfindungen und von Herausforderungen, z. B. vom 3-Meter – Brett zu springen. Aus diesen Informationen wird ein individuell angemessenes Selbstheilungsrezept mit der und für die erkrankte Frau entwickelt, das alltagstaugliche Handlungsschritte als 4-wöchiges Gesundheitstraining enthält. Mit den (Auf-) Gaben des Selbstheilungsrezeptes werden mutige neue Schritte getan und es kommen neue Qualitäten ins Leben – Sich-Selbst-Wertschätzen, Pflege und Aufmerksamkeit für den Körper, „sich etwas gönnen oder leisten“ um Beispiele zu nennen.

Frauen, die sich für eine Beratung nach der Methode Wildwuchs entscheiden, können eine Erkrankung oder ein Problem haben, das wissentlich mit einer Traumatisierung in Verbindung steht. Es kommen aber auch Frauen, die sich eines Traumas nicht bewußt sind. Deshalb ist es wichtig, für das Setting folgende Bedingungen zu beachten: Die Klientin bekommt alle Informationen, die sie braucht, um die Situation kontrollieren zu können, d. h. sie erhält konkrete und klare Auskunft über die Arbeit, die Inhalte, den Ablauf und über mögliche Folgen.
Die Klientin wird nur zu einer kurzen Entspannung angeleitet, um die Möglichkeit von Flash backs zu verringern. Bei einer kurzen Entspannungsphase können diese zwar auch auftreten, aber die Wahrscheinlichkeit erhöht sich deutlich in langen Entspannungsphasen und im Liegen. Jede bekommt bekommt klare Informationen, wie sie mit Bildern, die sie ängstigen bzw. in Panik versetzen, umgehen kann: Die Abstandtechnik anwenden. Im Anwenden der Abstandtechnik werden bereits eigene heilsame Kräfte, eigene Ressourcen bewußt, weil die Frauen aufgefordert sind, die Fähigkeit zur Dissoziation, bewusst einzusetzen, um sich zu schützen. In der traumatischen Situation wird diese Fähigkeit hingegen unbewusst eingesetzt. Ein Beispiel aus der Praxis:
Eine Frau, 46 Jahre, kommt wegen anhaltenden Blutungen. Die Hormone, zu denen ihr Arzt ihr rät, möchte sie nicht nehmen. Sie möchte ihren eigenen Weg im Umgang mit dem Symptom finden. Was außer Hormonen kann ihr helfen? Sie entscheidet sich für die Methode Wildwuchs. Mit 4 Jahren ist sie vom Vater ihrer besten Freundin vergewaltigt worden. Vor kurzem ist sie wieder in ihren Heimatort zurückgezogen. Sie hat dort das Haus ihrer Mutter, Tante und Großmutter geerbt und sie liebt dieses Haus. Aber die Umgebung hat natürlich die Erinnerungen belebt. Sie hat Zweifel, ob die Entscheidung dorthin zu ziehen, richtig war. Sie hat Angst, dass sie trotz Therapie dieses Trauma nicht richtig aufgearbeitet haben könnte und vielleicht kommen daher die Blutungen. Als Erwartung an die Arbeit formuliert sie, dass sie mit mehr Lust und Ruhe an den Dingen arbeiten können möchte, die sie so tut – im Haushalt und als Künstlerin. Sie ist Puppenspielerin und erfindet neue Stücke für Kinder und Erwachsene. Sie achte sich nicht für die Arbeit, die sie macht.
Nach dem Vorgespräch macht sie die Reise zum sicheren Ort. Sie erzählt von ihren Bildern: Zuerst hat sie viel Farbe gesehen, gelb und orange. Da war eine Tür mit hervor scheinendem Licht, die Form war wie eine Vagina. Sie ist trotz eines unsicheren Gefühls durch die Tür gegangen und war dann in dem Zimmer, in dem sie jetzt wohnt. Das Zimmer ist ganz gelb gestrichen, ein blauer Sessel steht darin, die Decken sind hoch. Sie hat einen wärmenden Ofen. An ihrer Haut spürt sie Wärme und sie spürt ganz stark die Kraft ihrer Ahninnen im Zimmer. Sie hat alles so gesehen, wie es in ihrem Zimmer aussieht. Das Besondere an dem Bild war, dass ihr alles so gut gefallen hat. Es war wie ein Mantra in ihr: „Es ist alles so schön“. Sie habe in der Mitte des Zimmers in ihrem Sessel gesessen, mit einer Decke zugedeckt. Sie hat Tee getrunken, Musik gehört, es hat nach Salbei gerochen, ganz wohlig habe sie sich gefühlt.
Was sie im Nachhinein zu Tränen rührt, ist, dass ihr Zimmer so schön war. Ihr sei gar nicht klar gewesen, dass sie sich ein so schönes Zimmer eingerichtet habe. Sie laufe die ganze Zeit mit dem Gefühl herum, es sei noch nicht fertig, sie müsse noch soviel daran tun, damit es dort schön sei. Nach dieser Visualisierung fühlt sie ihre Fülle und Lebendigkeit. Wegen des unsicheren Gefühls beim Durchschreiten der Tür sind erdende Übungen zum Thema Sicherheit nötig, bevor weitere Schritte in die Tiefe möglich sind. Vor der Körpererkundung geht ihr durch den Sinn: „Du weißt gar nicht, wie du von innen aussiehst“. An ihrem Beschwerdeort findet sie ihre Gebärmutter vergrößert und in wellenförmiger Bewegung. Die Gebärmutter ist feucht, blutig, wie eine Höhle. In der Vagina spürt sie samtiges und seidiges Gewebe. Am linken Eileiter sieht sie eine schwarze Kugel, die aus Angst besteht und die ihr Angst macht. Sie sieht sich die schwarze Kugel mit einem Messer aus der Enge des Eileiters herausholen. Die schwarze Kugel wandert in die Gebärmutter und sie kann sie dann hinaus bluten. Sie zeigt sich nach der Visualisierung beeindruckt von der kreativen Idee ihres Körpers, das Problem hinaus bluten zu wollen. In der analytischen Visualisierung berichtet der Körper, er brauche liebevolle Zuwendung, Berührung und Wärme, um Heilen zu können. Als Bild für ihren heilsamen Prozess sieht sie ein lebendiges, opalisierendes Licht durch ihren ganzen Körper scheinen. Sie sagt: „Ich sehe meinen Regenbogen. Ich sehe die Farben leuchten und ich schlafe“.
In der Reise zum ersten Lösungs- und Heilungsschritt ist das Gefühl von „Ich bin da“ ganz wichtig. Sie sieht sich in ihrem Garten sitzen, beschützt von einem Engel mit einem Speer in der Hand und hat das intensive Gefühl „Ich bin da“. Das Geschenk ihrer weisen Alten ist eine Rassel, die sie auf ihrem weiteren Weg unterstützen wird. Sie will die nächsten 4 Wochen in ihrem Gesundheitstraining täglich eine „Ich bin da“ – Meditation unterstützt von Rasseln machen, ihren Bauch mit lösenden Substanzen einreiben und Glaubenssätze wie „Wenn ich zeige, wie es mir geht, falle ich zur Last und bin nicht liebenswert“ loslassen. Sie ist zu insgesamt drei Terminen gekommen. Vor dem dritten Termin hörte die bis dahin seit Wochen anhaltende Blutung auf.

Literatur:

Angelika Koppe: Wo die Piranhas mit den Zähnen klappern – Die Kraft innerer Bilder in Heilungsprozessen
München 2000

Neuauflage:
Mut zur Selbstheilung
Würzburg 2004

Jeanne Achterberg:
Die Frau als Heilerin

Susan Weed:
Heilweise
München, 3. Auflage 1

Zur Autorin:
Johanna Sieberg, Jg. 1959, Dipl.-Pädagogin und Heilpraktikerin, in eigener Praxis seit 1999 mit den Schwerpunkten: Körperorientierte Visualisierungen nach der Methode Wildwuchs, Klassische Homöopathie, Bachblütentherapie, Bioresonanztherapie
Ich bin Mitbegründerin der Brustkrebsiniative Gießen (B.I.G.) und Mitbegründerin von Wildwuchsberatung e. V. – Berufsverband für Beratung und Training mit körperorientierten Visualisierungen.
Johanna Sieberg
Hindertal 1
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